Anwaltskosten

Beauftragt der durch einen unverschuldeten Verkehrsunfall Geschädigte zur Abwicklung seines Schadens einen Rechtsanwalt, so sind ihm grundsätzlich die hierdurch entstehenden Kosten vom Schädiger zu ersetzen. Denn die Anwaltskosten gehören grundsätzlich gemäß § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) zu dem zu ersetzenden Schaden. Der Geschädigte darf im Zusammenhang mit dem Unfall alle Aufwendungen machen, die ein verständiger und wirtschaftlich denkender Mensch für nötig erachtet (Urteil des Bundesgerichtshofes vom 2.7.1985, BGH - VI ZR 86/1984).

Beispiel 1:
Frau A erleidet einen von ihr nicht verschuldeten Verkehrsunfall. Das Fahrzeug der Frau A wird bei dem Unfall erheblich beschädigt. Frau A beauftragt einen Rechtsanwalt damit, ihre Schadensersatzansprüche gegenüber dem Unfallverursacher bzw. dessen Kraft-Haftpflichtversicherung durchzusetzen. Der Schaden wird hierauf prompt und vollständig reguliert. Die angefallenen Rechtsanwaltsgebühren sind Frau A vom Unfallverursacher ohne Einschränkung zu erstatten. Das heißt, Frau A entstehen durch die Einschaltung des Rechtsanwalts keinerlei Kosten.

Beispiel 2:
Der ordnungsgemäß geparkte PKW von Herrn A wurde von einem anderen PKW gerammt und beschädigt. Herr A beschließt, selbst den Schaden gegenüber der Versicherung des Gegners geltend zu machen, da der Schuldige eindeutig der andere ist. Die gegnerische Versicherung beauftragt einen ihren Sachverständigen mit der Kalkulation des Unfallschadens am PKW des Herrn A.
Dieser Versicherungsgutachter errechnet Reparaturkosten in Höhe von 4000 Euro. Herr A geht mit dem Versicherungsgutachten zu seiner Werkstatt. Dort teilt man Herrn A mit, dass die erforderliche Reparatur weit mehr als 4000 Euro kosten würde. Man rät ihm, einen unabhängigen Sachverständigen mit der Schadensbegutachtung zu beauftragen. Dieser errechnet einen Reparaturbetrag von 7000 Euro. Herr A legt nun das unabhängige Gutachten der gegnerischen Versicherung vor und bittet höflich um Regulierung. Diese zahlt 4000 Euro und verweigert mit Hinweis auf ihr eigenes Gutachten jede weitere Zahlung. Auf Empfehlung seiner Werkstatt und seines Gutachters betraut Herr A einen im Verkehrsrecht erfahrenen Rechtsanwalt mit der Durchsetzung seines Restanspruchs. Nach mehreren Schriftsätzen und der Androhung einer Klage zahlt die gegnerische Versicherung schließlich doch die ausstehenden 3000 Euro an Herrn A. Auch die Rechtsanwaltskosten muss sie ihm erstatten.

Hinweis:
Wer unverschuldet das Opfer eines Verkehrsunfalls wird, sollte grundsätzlich zuerst einen im Verkehrsrecht versierten Rechtsanwalt zu Rate ziehen, bevor er Kontakt - ob schriftlich oder telefonisch - mit der gegnerischen Versicherung aufnimmt.

Aktuelle Gerichtsurteile zu diesem Thema finden Sie hier.

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