Wiederbeschaffungsaufwand

Wurde ein Fahrzeug durch einen Unfall so stark beschädigt, dass die Reparaturkosten gemäß dem Sachverständigengutachten 100 % oder bei tatsächlich durchgeführter Reparatur 130 % vom Wiederbeschaffungswert übersteigen, so spricht man von einem wirtschaftlichen Totalschaden.
Der Geschädigte hat dann Anspruch auf die Erstattung des sogenannten Wiederbeschaffungsaufwands. Dieser ist gleich der Differenz zwischen dem Wiederbeschaffungswert und dem Restwert des verunfallten Fahrzeuges.
Je nachdem, ob und wie die Mehrwertsteuer bzw. Umsatzsteuer beim Wiederbeschaffungswert berücksichtigt wird, ergeben sich zwei Formeln zur Ermittlung des Wiederbeschaffungsaufwands bei wirtschaftlichem Totalschaden.

1. Variante: Wiederbeschaffungsaufwand netto/brutto
Voraussetzung für diese Berechnung: Der vom Sachverständigen ermittelte Wiederbeschaffungswert enthält einen Umsatzsteueranteil und der Geschädigte hat noch kein bzw. zumindest kein gleichwertiges Ersatzfahrzeug angeschafft (siehe unten Beispiel 1).

  Wiederbeschaffungswert (exklusive Umsatzsteuer)
- Restwert (inklusive Umsatzsteuer oder steuerneutral)
= Wiederbeschaffungsaufwand netto/brutto


2. Variante:
Wiederbeschaffungsaufwand brutto/brutto
Voraussetzung für diese Berechnung: Der vom Sachverständigen ermittelte Wiederbeschaffungswert enthält keinen Umsatzsteueranteil oder ein solcher ist zwar enthalten, doch der Geschädigte hat den Kauf eines gleichwertigen Ersatzfahrzeugs nachgewiesen (siehe unten Beispiel 2).

  Wiederbeschaffungswert (inklusive Umsatzsteuer oder steuerneutral)
- Restwert (inklusive Umsatzsteuer oder steuerneutral)
= Wiederbeschaffungsaufwand brutto/brutto


Beispiel 1:

Frau A hatte einen unverschuldeten Unfall, bei dem ihr Auto zerstört wurde. Der sachverständige Schadensgutachter ermittelt für den 1 Jahr alten regelbesteuerten PKW einen Wiederbeschaffungswert von 15.000 Euro brutto (d.h. inklusive Umsatz-steueranteil). Nach Abzug der 19%igen Umsatzsteuer (§ 10 UStG) ergibt sich ein Netto-Wiederbeschaffungswert in Höhe von 12.605,04 Euro:

15.000 : 119 = 126,05042 x 100 = 12.605,042 = 12.605,04 (kaufmännisch gerundet)

Der Restwert des Unfallwagens beträgt 1.000 Euro steuerneutral. Die vom Gutachter berechneten Reparaturkosten netto (exklusive Umsatzsteueranteil) belaufen sich auf 20.000 Euro, sodass von einem wirtschaftlichen Totalschaden auszugehen ist.
Der vom Unfallverursacher zu ersetzende Fahrzeugschaden beläuft sich bis zum Nachweis der Anschaffung eines Ersatzfahrzeuges auf 11.605,04 Euro (12.605,04 Euro - 1000,00 Euro).

Sobald Frau A belegt, dass sie ein gleichwertiges oder höherwertiges Ersatzfahrzeug angeschafft hat, ist ihr auch die für das Unfallfahrzeug ermittelte Umsatzsteuer in Höhe von 2.394,96 Euro voll erstatten:

15.000 - 12.605,04 = 2.394,96

Im Ergebnis sind Frau A die gesamten Wiederbeschaffungskosten für ihr zerstörtes Fahrzeug zu erstatten.

Beispiel 2:
Frau A hatte einen unverschuldeten Unfall, bei dem ihr 18 Jahre altes Auto zerstört wurde. Der Schadensgutachter ermittelt einen steuerneutralen Wiederbeschaffungswert von 3.000 Euro.
Der ebenfalls als steuerneutral ausgewiesene Restwert des Unfallwagens beträgt 1000 Euro. Die vom Gutachter berechneten Reparaturkosten belaufen sich netto auf über 8000 Euro, sodass von einem wirtschaftlichen Totalschaden auszugehen ist.
Der vom Unfallverursacher zu ersetzende Fahrzeugschaden errechnet sich wie folgt:

3000 Euro -1000 Euro = 2000 Euro.

Hinweis:
In der Praxis wird von Versicherungsgesellschaften immer wieder zu viel Umsatzsteuer vom ermittelten Wiederbeschaffungswert abgezogen.
Geschädigte sollten deshalb grundsätzlich umgehend einen versierten Rechtsanwalt mit der Wahrung ihrer Rechte und der Abwicklung ihres Schadens beauftragen. Die dadurch entstehenden Kosten sind voll von der gegnerischen Haftpflichtversicherung zu tragen.

Siehe auch:
Differenzsteuer

Aktuelle Gerichtsurteile zu diesem Thema finden Sie hier.

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