Entgangener Gewinn / Verdienstausfall / Erwerbsschaden

Der durch einen unverschuldeten Verkehrsunfalls Geschädigte hat gegen den Schädiger einen Anspruch auf die Erstattung sämtlicher ihm durch den Unfall entstandener Einkommenseinbußen.

Bei abhängig Beschäftigten (Angestellten und Arbeitern) ist dabei grundsätzlich das dem Geschädigten entgangene Nettoeinkommen zu erstatten. Wurde ein Geschädigter verletzt, und bezieht dieser während der Dauer seiner unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit Lohnersatzleistungen (z.B. Lohnentgeltfortzahlung oder Krankengeld) so ist kein Verdienstausfall entstanden bzw. wird er entsprechend gemindert.

Selbstständigen und Freiberuflern haben lediglich Anspruch auf Erstattung des durch den Unfall nachweislich entgangenen Gewinns, bzw. der Kosten für die Beschäftigung einer Krankheitsvertretung, die zu belegen sind. Der entgangene Gewinn kann z. B. durch Vorlage einer betriebswirtschaftlichen Auskunft des Steuerberaters des Geschädigten beziffert und bewiesen werden. Bei schweren Verletzungen bzw. bei längerer oder anhaltender Arbeitsunfähigkeit, wird am ehesten ein betriebswirtschaftliches Gutachten den entgangenen Gewinns bemessen können. Die Gutachtenkosten sind grundsätzlich wiederum vom Schädiger zu zahlen.

Beispiel 1:
Die Angestellte A hatte einen unverschuldeten Verkehrsunfall, infolge dessen sie für 12 Wochen lang krankgeschrieben werden musste.
Frau A erhält die ersten sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit Lohnentgeltfortzahlung von ihrem Arbeitgeber. Diese beträgt 100% des Nettogehalts, sodass ihr insoweit kein Schaden entsteht. Von der siebten bis zur 12. Woche bezieht Frau A Krankengeld in der gesetzlichen Höhe von 80% ihres Nettogehalts. Die 20%, die zur Höhe ihres Nettoeinkommens fehlen, kann Frau A als Verdienstausfall von dem Unfallverursacher verlangen.

Beispiel 2:
Der selbstständige Gemüsehändler B hatte einen unverschuldeten Unfall, infolge dessen er acht Wochen zu 100% arbeitsunfähig war.
Herr B hat als Selbstständiger keinen Anspruch auf Lohnentgeltfortzahlung. Er kann sich aber den Gewinn, der ihm aufgrund der Arbeitsunfähigkeit entgangen ist, vom Unfallverursacher erstatten lassen. Der genaue Umfang des Schadens sollte wegen der langen Arbeitsunfähigkeit mittels eines betriebswirtschaftlichen Gutachtens festgestellt werden.

Hinweis:
Die in der Arbeitsunfähigkeit an den Geschädigten gezahlten Lohnersatzleistungen fordern die jeweiligen Leistungsträger (z.B. der Arbeitgeber des Geschädigten oder dessen Krankenkasse) in aller Regel vom Schädiger zurück.

Siehe auch:
Gutachterkosten

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