Schmerzensgeld

Der durch einen Unfall Geschädigte kann nach einer Körperverletzung oder sonstigen Beeinträchtigung seiner Gesundheit Schmerzensgeld vom Schädiger beanspruchen.
Voraussetzung ist, dass es sich um keinen Bagatellfall handelt, sondern vielmehr eine nicht ganz unerhebliche Verletzung des Körpers oder der Gesundheit und – hieraus resultierend – eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung der Lebensführung des Betroffenen vorliegt.
Das Schmerzensgeld soll einen Ausgleich für erlittene körperliche und seelische Beeinträchtigungen gewähren. Der Anspruch ist frei übertragbar und vererblich. Das Geld muss nicht für einen bestimmten Zweck verwendet werden. Es hat auch die Bedeutung, dem Verletzten eine gewisse Genugtuung gegenüber dem Unfallverursacher zu verschaffen. Dessen Bestrafung in einem möglichen Strafverfahren wirkt sich allerdings nicht verringernd auf den Umfang der Zahlung aus.
Die Höhe des Anspruchs richtet sich vielmehr nach der Schwere der Verletzung, nach der Dauer der erforderlichen Behandlung und danach, wie sehr die Lebensführung des Opfers davon beeinträchtigt wird bzw. wurde. Auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Schädigers und etwa die Frage, ob er aus Fahrlässigkeit oder Vorsatz gehandelt hat, können bei der Bemessung des Schmerzensgeldes eine Rolle spielen.

Beispiel:
Frau A wurde bei einem von ihr nicht verschuldeten Unfall verletzt und hat einen Trümmerbruch des rechten Schulterblatts sowie einen schweren Schock erlitten. Um etwas gegen diese Verletzungen zu unternehmen, unterzieht sich Frau A mehreren Operationen der Schulter und einer mehrmonatigen Psychotherapie.
Sie wird 30 Tage stationär behandelt. Die anschließende ambulante Behandlung nebst Rehabilitation dauert weitere 5 Monate. Frau A ist während dieser Zeit auf entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente sowie Beruhigungsmittel angewiesen.
Bei dem zum Unfallzeitpunkt stark alkoholisierten Unfallverursacher B handelt es sich um einen Nachbarn der Frau A. Nach dem Unfall verteilt Herr B Handzettel in der Nachbarschaft, auf denen er sie als den „Drachen der Straße“ bezeichnet und sich über ihre Unfallverletzung lustig macht.
Die Schulterverletzung der Frau A heilt ohne Komplikationen ab. Die Heilbehandlung wird ohne Spätfolgen 6 Monate nach dem Unfall abgeschlossen. Die Attacken des Herrn B wirken jedoch der psychischen Gesundung von Frau A massiv entgegen.
Als die Kraft-Haftpflichtversicherung des Herrn B sich monatelang weigert, ihr Schmerzensgeld zu zahlen, beauftragt Frau A einen Anwalt mit der Durchsetzung ihrer Interessen.
Dieser strengt einen Zivilprozess an, bei dem Herr B und seine Versicherung zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 9.600 Euro an Frau A verurteilt werden.
Bei der Bemessung des Schmerzensgeldes berücksichtigt das Gericht laut Urteilsbegründung

  1. den erheblichen Umfang der Verletzungen von Frau A,
  2. den monatelangen Leidensdruck von Frau A aufgrund ihrer Schmerzen,
  3. die äußerst lange Dauer der Heilbehandlung,
  4. die erhebliche Beeinträchtigung Frau A‘s in ihrer Lebensführung,
  5. den Grad der Schuld des zum Unfallzeitpunkt betrunkenen und darum fahrunfähigen Herrn B,
  6. das Verhalten von Herrn B nach dem Unfall, das die Heilung negativ beeinflusst hat, sowie den Umstand, dass der Mann noch in der Hauptverhandlung keinerlei Einsicht in sein Fehlverhalten zeigte.


Hinweis:
Das Schmerzensgeldrecht ist eine komplizierte Angelegenheit, viele Aspekte gilt es dabei zu beachten. Darum sollte bei einem solchen Fall unbedingt ein im Verkehrsrecht versierter Rechtsanwalts hinzugezogen werden.

Siehe auch:
Heilbehandlungskosten, Geschädigtenrente, Besuchskosten, Haushaltsführungsschaden, Erwerbsschaden

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