Differenzsteuer

Nach dem geltenden Schadenrecht wird dem bei einem Verkehrsunfall Geschädigten vom Schädiger die im Fahrzeugschaden bzw. die im Wiederbeschaffungswert eines Ersatzfahrzeugs enthaltene Mehrwertsteuer nur in tatsächlich verauslagter Höhe erstattet.
Entsprechend ist die Mehrwertsteuer immer erst eindeutig zu bemessen bei der Anschaffung eines gleich- oder höherwertigen Ersatzfahrzeugs (Beispiel 1). Wie hoch ihr Anteil am Wiederbeschaffungswert ist, richtet sich nach dem von einem Sachverständigen erstellten Schadensgutachten.

Bei einem wirtschaftlichen Totalschaden gibt es - abhängig vom Alter und von der Beschaffenheit des Fahrzeugs - drei Möglichkeiten der Festlegung enthaltener Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer):

Grundsätzlich gilt:

  1. Fahrzeuge von einem Alter bis zu 4 Jahren unterliegen der Regelumsatzsteuer von 19% (§ 10 UStG).
  2. Fahrzeuge, die über 4 Jahre alt sind, unterliegen der Differenzsteuer von 2,5% (§ 25a UStG).
  3. Altfahrzeuge, die nur von privat gehandelt werden, gelten als steuerneutral und enthalten keine Umsatzsteuer.


Enthält der Wiederbeschaffungswert des Unfallwagens Mehrwertsteuer, so wird diese bei Totalschaden zunächst vom Schadensbetrag abgezogen und erst erstattet, wenn sie bei Anschaffung eines gleich- oder höherwertigen Ersatzfahrzeuges nachweislich entrichtet wurde (Beispiel 1).
Besonderes gilt dann, wenn der Geschädigte in Bezug auf das verunfallte Fahrzeug zum Vorsteuerabzug berechtigt ist.

Beispiel 1:
Frau A hat mit ihrem PKW einen unverschuldeten Verkehrsunfall. Der ermittelte Wiederbeschaffungswert des mit Differenzsteuer belegten Fahrzeugs beläuft sich auf 10.000 Euro. Der Restwert beträgt inklusive Mehrwertsteuer 2000 Euro. Die Kosten der Reparatur betragen 14.000 Euro. Es handelt sich somit um einen klaren Totalschaden.

Der vom Schädiger zu zahlende Schadensersatz bzw. Wiederbeschaffungsaufwand errechnet sich wie folgt:

€ 9.756,10 (€ 10.000,00 - € 243,90 (2,5%)) - € 2.000,00 = € 7.756,10

 

Weist Frau A, etwa durch Vorlage eines Kaufvertrages, die Anschaffung eines Ersatzfahrzeuges nach, ist ihr auch die Differenzsteuer in Höhe von 243,90 Euro zu erstatten.

Beispiel 2:
Sachverhalt wie in Beispiel 1.

Ungeachtet der Feststellung im Schadensgutachten, dass das Fahrzeug der Differenzsteuer unterliegt, zieht die gegnerische Versicherung zunächst die Regelumsatzsteuer von 19% vom Wiederbeschaffungswert ab und überweist Frau A 6.803,36 als einstweiligen Schadensbetrag. Dieser errechnet sich wie folgt:

€ 8.803,36 (€ 10.000,00 - € 1.596,64 (19%)) - € 2.000,00 = € 6.803,36

 

Frau A beauftragt einen Rechtsanwalt mit der Durchsetzung ihrer Rechte. Dieser fordert die gegnerische Versicherung unter Klageandrohung zur Zahlung von weiteren 952,74 Euro auf. Das ist die Differenz zwischen dem im Schadensgutachten ermittelten und dem tatsächlich gezahlten Schadensbetrag (€ 7.756,10 - € 6.803,36 = € 952,74).

Die Versicherung beugt sich sofort dem Druck und zahlt. Und nachdem Frau A die Beschaffung eines Ersatzfahrzeugs nachgewiesen hat, erstattet sie ihr auch noch die verbleibende Differenzsteuer in Höhe von € 243,90.

Hinweis:
Es werden von Versicherungen immer wieder falsche Mehrwertsteueranteile aus sachverständig bestimmten Wiederbeschaffungswerten zulasten von Unfallgeschädigten errechnet. Das zweite Beispiel zeigt, dass es dringend angebracht ist, nach einem nicht verschuldeten Unfall umgehend einen im Verkehrsrecht versierten Rechtsanwalt mit der Regulierung des Schadens und der Durchsetzung der Ansprüche zu beauftragen.

Siehe auch:
Umsatzsteuer, Mehrwertsteuer

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